Deutsche Ergebnisse des „Reuters Institute Digital News Report 2026“ zur Nachrichtennutzung im internationalen Vergleich veröffentlicht
Hamburg, 16.06.2026. Die Nachrichtennutzung über soziale Medien steigt, 36 Prozent der deutschen Onliner informieren sich mittlerweile über verschiedene Social-Media-Angebote. KI-Chatbots spielen für die Nachrichteninformation weiterhin nur eine Nebenrolle: Fünf Prozent der Befragten nutzen sie. Insgesamt ist das Nachrichteninteresse trotz leichter Rückläufigkeit nach wie vor hoch. Sowohl der Anteil derjenigen, die mehrmals wöchentlich Nachrichten nutzen (90 %) als auch das allgemeine Vertrauen in Nachrichten (46 %) bleiben stabil. Dies sind Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Report 2026, für dessen deutsche Teilstudie das Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg verantwortlich ist. Insgesamt basiert die Studie auf fast 100.000 Befragten aus 48 Ländern auf sechs Kontinenten. Die Befragung in Deutschland wurde im Januar 2026 durchgeführt.
Zunehmende Nachrichtennutzung über soziale Medien
Das Internet ist die wichtigste Nachrichtenquelle. 67 Prozent der erwachsenen Online-Bevölkerung in Deutschland konsumieren mindestens einmal pro Woche Nachrichten im Internet. Soziale Medien sind dabei die reichweitenstärkste Online-Nachrichtenquelle: 36 Prozent kommen dort mit Nachrichten in Kontakt. Besonders bedeutend sind soziale Medien für die 18- bis 24-Jährigen: 60 Prozent von ihnen nutzen Nachrichten in sozialen Medien. Für die Nachrichtennutzung hier sind vor allem WhatsApp, YouTube und Facebook relevant. Bei den 18- bis 24-Jährigen sticht Instagram besonders hervor: 85 Prozent nutzen die Plattform allgemein, 52 Prozent auch für Nachrichten.
Die Bedeutung sozialer Medien als wichtigste Nachrichtenquelle (18 %) erreicht einen neuen Höchststand. Allerdings werden sie weiterhin mehrheitlich ergänzend zu anderen Nachrichtenquellen genutzt. Einzig im Nachrichtenrepertoire der jüngsten untersuchten Altersgruppe (18- bis 24-Jährige) nehmen soziale Medien eine große Rolle ein. Für 17 Prozent von ihnen sind soziale Medien die einzige Quelle, über die sie mit Nachrichteninhalten in Kontakt kommen. Auch in der Langzeitbetrachtung seit 2017 zeigt sich 2026 ein Anstieg in der Relevanz sozialer Medien als Zugangsweg zu Nachrichten in allen Altersgruppen, sowohl als regelmäßig genutzter als auch als der am wichtigsten eingeschätzte.
KI-Chatbots spielen als Nachrichtenquelle kaum eine Rolle
KI-Chatbots spielen als regelmäßiger Zugang zu Nachrichten weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Fünf Prozent der Befragten geben an, in der vergangenen Woche einen generativen KI-Chatbot verwendet zu haben, um sich über Nachrichten zu informieren. Am häufigsten setzen die Nutzenden KI-Chatbots ein, um Fragen zu Nachrichtenthemen zu stellen (48 %). Darüber hinaus bittet etwa jede*r Vierte von ihnen die KI, ein Thema verständlicher zu machen (28 %), ein Thema zusammenzufassen (27 %) oder eine Nachrichtenquelle zu finden oder einzuordnen (25 %). Auf die in den Ergebnissen genannten Originalquellen der von der KI angebotenen Informationen klicken die meisten nach eigenen Aussagen nur manchmal (38 %).
Newsfluencer befriedigen Nachrichtenbedürfnisse kaum
13 Prozent der Befragten kommen mit Nachrichten über Influencer in Kontakt, die sich hauptsächlich oder manchmal mit Nachrichten befassen. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 30 bzw. 28 Prozent. Von denjenigen, die Inhalte von Newsfluencern genutzt haben, die sich hauptsächlich mit Nachrichtenthemen befassen, sagt jede*r Zehnte, dass hiermit sämtliche vorhandene Nachrichteninteressen befriedigt werden können. Unabhängig davon, ob Befragte sich von Newsfluencern informieren lassen oder nicht, werden Newsfluencer im Vergleich zu klassischen Nachrichtenmedien am ehesten als unterhaltsamer oder leichter verständlich wahrgenommen. Lediglich elf Prozent der Befragten halten Newsfluencer für vertrauenswürdiger als traditionelle Medien.
Fernsehen, Radio und Print bleiben wichtige Nachrichtenquellen
Nachrichten im linearen Programmfernsehen werden von 59 Prozent der Befragten regelmäßig gesehen; in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es 32 Prozent. 34 Prozent aller Befragten hören regelmäßig Nachrichtensendungen im linearen Radio und 17 Prozent lesen gedruckte Zeitungen oder Magazine. In der Langzeitbetrachtung seit 2013 zeigt sich in der Tendenz ein Rückgang der Reichweiten von Nachrichten im linearen Programmfernsehen, im Radio und in gedruckten Erzeugnissen. Dieser wird in den letzten Jahren aber etwas abgemildert; das gattungsbezogene Nutzungsverhalten insgesamt hat sich stabilisiert.
Nachrichtenvertrauen bleibt stabil
Das Vertrauen in Nachrichten bleibt auf einem stabilen Niveau. 46 Prozent der Befragten sind der Ansicht, man könne dem Großteil der Nachrichten in Deutschland meist vertrauen. Am geringsten ist das allgemeine Vertrauen bei den 18- bis 24-Jährigen ausgeprägt. In dieser Gruppe stimmen 37 Prozent dieser Aussage zu. Etwas höher ist das Vertrauen in die Nachrichten, die die Befragten regelmäßig nutzen (58 %).
Das Vertrauen sowohl in KI-generierte Nachrichten als auch in Nachrichten auf sozialen Medien ist hingegen gering: Lediglich jeweils 13 Prozent vertrauen den Nachrichten in diesen Umgebungen. Damit liegt das Vertrauen in KI und soziale Medien deutlich hinter dem in Suchmaschinen (24 %). Bei dem Vertrauen in ausgewählte etablierte Nachrichtenmarken sind die ARD Tagesschau, Regional- oder Lokalzeitungen sowie ZDF heute die Spitzenreiter. Dabei sprechen junge Erwachsene (18-24 Jahre) den öffentlich-rechtlichen Marken ARD und ZDF ein höheres Vertrauen aus als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Neutrale Nachrichten bevorzugt
Knapp zwei Drittel der Befragten bevorzugt Nachrichtenquellen, die keine bestimmte Meinung vertreten. Deutlich kleinere Anteile möchten Nachrichten nutzen, die die eigene Meinung widerspiegeln oder diese bewusst infrage stellen. Über verschiedene Themen hinweg wird die Qualität der Berichterstattung überwiegend weder eindeutig positiv noch negativ bewertet. Besonders kritisch fällt die Einschätzung zur Berichterstattung über Migration und Einwanderung aus; im Vergleich der Themen wird die Berichterstattung zum Krieg in der Ukraine am besten beurteilt.
Bedenken gegenüber Falschmeldungen nehmen zu
Knapp die Hälfte der Befragten äußert Bedenken, bei Online-Nachrichten zwischen Fakten und Falschmeldungen unterscheiden zu können. Dies ist ein deutlicher Sprung nach oben im Vergleich zu den Jahren 2024 und 2025, in welchen jeweils 42 Prozent der abgefragten Aussage zugestimmt haben. Die Werte sind in allen Altersgruppen angestiegen.
Aktive Nachrichtenvermeidung bleibt auf hohem Niveau
72 Prozent der Befragten vermeiden Nachrichten zumindest gelegentlich (2025: 71 %). Seit der ersten Erhebung der Frage im Jahr 2017 hat die aktive Nachrichtenvermeidung in der Tendenz in allen Altersgruppen zugenommen. Wichtig ist: Nachrichtenvermeidung bedeutet nicht, dass gar keine Nachrichten genutzt werden. Sie äußert sich hingegen in der Regel darin, dass bestimmte Nachrichtenthemen (beispielsweise Krisenberichterstattung) zeitweise ignoriert oder dass Nachrichten zu bestimmten Tageszeiten vermieden werden.
Informationen zur Studie
Seit 2012 untersucht der Reuters Institute Digital News Survey jährlich über Repräsentativbefragungen in mittlerweile 48 Ländern generelle Trends und nationale Besonderheiten der Nachrichtennutzung. Die Studie wird unter Koordination des in Oxford (UK) ansässigen Reuters Institute for the Study of Journalism zeitgleich in Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Malaysia, Marokko, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Singapur, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand, Tschechien, Türkei, Ungarn und in den USA realisiert. Pro Land wurden 2026 rund 2.000 Personen befragt. Insgesamt basiert die Studie in der 14. Wiederholung auf den Antworten von fast 100.000 Befragten aus 48 Ländern auf sechs Kontinenten. Thematische Schwerpunkte der Befragungswelle 2026 waren unter anderem Newsfluencer und der Umgang mit Originalquellen bei Nachrichten in sozialen Medien, Suchmaschinen und Antworten einer KI.
Die Feldarbeit in Deutschland wurde zwischen dem 9. und dem 22. Januar 2026 vom Umfrageinstitut YouGov durchgeführt, das auf der Basis von Online-Access-Panels Stichproben zog, die für Internetnutzende der beteiligten Länder ab 18 Jahren repräsentativ sind. Repräsentativ meint, dass die Stichprobe ein strukturgleiches Abbild der internetnutzenden Bevölkerung hinsichtlich der Variablen Alter, Geschlecht, Region und Bildung darstellt bzw. dementsprechend gewichtet wurde. Generell ist bei der Interpretation der Ergebnisse stets zu berücksichtigen, dass es bei der Stichprobenziehung aus Online-Access-Panels zu Resultaten kommen kann, die Aspekte der Internetaffinität und die Nutzung des Social Web etwas überschätzen. Der Standardfehler der angegebenen Werte bewegt sich in der Regel in einem Bereich zwischen einem und drei Prozent.
Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut ist seit 2013 als Kooperationspartner verantwortlich für die deutsche Teilstudie; es wird dabei von den Landesmedienanstalten, dem ZDF und der ARD unterstützt.
Die deutsche Teilstudie kann hier heruntergeladen werden: https://doi.org/10.21241/ssoar.110516.
Der internationale, englischsprachige Report kann unter https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/ abgerufen werden.
Kontakt
Dr. Sascha Hölig, s.hoelig@leibniz-hbi.de
Information zum Reuters Institute for the Study of Journalism
Das Reuters Institute for the Study of Journalism wurde 2006 von der Thomson Reuters Foundation gegründet; es ist angesiedelt am Department of Politics and International Relations an der University of Oxford. Das Institut ist ein international aktives Forschungszentrum für vergleichende Journalismusforschung, das in seiner Forschung eine globale Perspektive verfolgt und Forschern unterschiedlichster Disziplinen ein Forum bietet, um mit Journalisten aus aller Welt zusammenzukommen. Mehr unter https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/.
Information zum Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Seit 1950 erforscht das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut den Medienwandel und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen öffentlicher Kommunikation. Medienübergreifend, interdisziplinär und unabhängig verbindet es Grundlagenwissenschaft und Transferforschung und schafft so problemrelevantes Wissen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Im Jahr 2019 wurde das Institut in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Mehr unter https://leibniz-hbi.de/.
Illustration: Paper Trident (mit KI bearbeitet)