Sprechstunde bei Dr. Insta

Cover der Zeitschrift der Leibniz Gemeinschaft - Ausgabe 2/2026 zum Thema "Medizin"Die aktuelle Ausgabe des Magazins der Leibniz-Gemeinschaft widmet sich dem Thema „Medizin“ und ist ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2026. Dr. Claudia Lampert, Leiterin der Forschungsgruppe „Gesundheitskommunikation“ am HBI, ist mit einem Interview zum Thema „Sprechstunde bei Dr. Insta“ vertreten.

Das Heft kann hier kostenfrei heruntergeladen werden. Das Interview mit Claudia Lampert beginnt auf Seite 19.

Für sogenannte Healthfluencer sind Soziale Medien ein lukratives Geschäft. Warum kommen die (oft selbsternannten) Gesundheitsexperten gerade bei jungen Menschen so gut an? Und wann werden Vertrauen und Nähe zum Risiko?

Claudia Lampert erläutert: „Sie [die Healthfluencer] nutzen Mechanismen, die Soziale Medien insgesamt stark machen: Emotionalisierung, visuelle Zuspitzung und eine ästhetische Aufbereitung, die Aufmerksamkeit bindet. Man stößt auf diese Inhalte oft nicht, weil man aktiv danach sucht, sondern weil sie im Feed auftauchen. Ein irritierendes Bild, ein dramatischer Satz, ein persönliches Bekenntnis — all das sorgt dafür, dass Menschen hängenbleiben.“

Dabei erreichen Healthfluencer insbesondere die 15- bis 25-Jährigen. Zugehörigkeit, Selbstverortung und die Suche nach Antworten spielten gerade in dieser Lebensphase eine große Rolle, sagt Claudia Lampert und ergänzt: „Wenn dann Personen auftauchen, die nahbar wirken, ähnliche Probleme schildern oder einfache Lösungen versprechen, entfaltet das schnell Wirkung.“

Ein großes Risiko sieht die Wissenschaftlerin in gesundheitsbezogener Desinformation. Falsche oder irreführende Informationen könnten gerade im Gesundheitsbereich gravierende Folgen haben, wenn Menschen Empfehlungen blind vertrauten. Hinzu kämen kommerzielle Interessen, intransparente Werbung und unrealistische Heilsversprechen. Besonders problematisch sei es, wenn persönliche Erfahrungen, Produktwerbung und vermeintliche Expertise ineinanderflössen und kaum noch voneinander zu unterscheiden seien. „Gerade bei ernsthaften Erkrankungen sind Menschen oft bereit, sich an Dinge zu klammern, die nicht evidenzbasiert sind, solange diese ihnen einen Hoffnungsschimmer bieten“, so Claudia Lampert.

Weitere Beiträge im Heft

  • Herzensprojekt: Als Student hat Wolfram-Hubertus Zimmermann eine bestechend einfache Idee: Er will geschädigte Herzen wie kaputte Automotoren reparieren – mit einem Pflaster aus schlagenden Zellen. Dass es ein Vierteljahrhundert später Leben rettet, hat nicht zuletzt mit dem Biologen Rüdiger Behr vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung zu tun. Ein Besuch in Göttingen.
  • Der Weg der Pest: Im Spätmittelalter fielen dem Schwarzen Tod in Europa Millionen Menschen zum Opfer. Lange wurde biologische Kriegsführung als entscheidender Auslöser des Massensterbens betrachtet. Der Klimahistoriker Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa konnte nachweisen, dass es ziemlich sicher andere Hintergründe hatte. Und ist überzeugt, dass dieses Wissen heute von besonderer Bedeutung ist.
  • Heilendes Blut: In der Regel landet es mit dem Tampon im Müll. Für die Immunbiologin Ping Shen hingegen ist Menstruationsblut kein mit Scham behaftetes Abfallprodukt – sondern ein hoffnungsvoller Forschungsgegenstand, der Millionen Menschen ein gesünderes Leben ermöglichen könnte. Am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin hat sie die Potenziale des unterschätzten Blutes erklärt.
  •  Einfache Dosis: Mehr als eine halbe Million Menschen stirbt jährlich an Malaria, auch, weil die Behandlung oft vorzeitig abgebrochen wird. Ghyslain Mombo-Ngoma vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hat eine neue Therapie entwickelt.
  • Künstliche Helferlein: Sie packen mit an – in Labor, Operationssaal, Behandlung. Fünf Forschende erzählen, wie ihre KI-Projekte die Medizin verändern.
  • Altwerden: Sie suchen nicht nach Schlüsseln zum ewigen Leben, sondern Anhaltspunkte, wie wir es möglichst lange gesund verbringen können. Sind die Forschenden des Leibniz-Instituts für Alternsforschung fündig geworden?
  • Unterschätzte Alleskönner: Pilze sind überall: in Boden, Luft, Wasser, auf und in unserem Körper. Für den Menschen sind sie unverzichtbar – und gefährlich. Die Infografik liefert einen Überblick.
  • Langzeitstudie: Für Iris Pigeot vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS sind Daten der Schlüssel zu einem gesünderen Leben. Seit einem Vierteljahrhundert analysiert die Statistikerin sie.
  • Marktversagen mit Todesfolge: Was droht, wenn wir die Antibiotikakrise nicht in den Griff bekommen? Für die Entwicklungsökonomin Renate Hartwig vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeichnet es sich schon heute ab.
  • Operationsbestecke: Wollte man sich einst eines Projektils entledigen oder einen Blick unter die Schädeldecke werfen, waren diese Gerätschaften schnell zur Hand. Ein Blick in die medizinhistorische Sammlung des Germanischen Nationalmuseums – Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte.
  • Mächtige Wunderwaffe: In Regensburg wollen Forschende T-Zellen so umprogrammieren, dass sie Krebs und Autoimmunerkrankungen heilen können. Ein Rundgang durch das Leibniz-Institut für Immuntherapie.
  • Die Einsamkeitsforscherin: Einsamkeit gilt als stille Epidemie. Die Psychologin Maike Luhmann ergründet sie seit 15 Jahren und hat manches Klischee widerlegt.
  • Diabetes? Nein danke! Auf der Kinderseite geht es dieses Mal um die Zuckerkrankheit – und wie man ihr vorbeugen kann.
  • Gefährliche Quacksalber? Posts zu medizinischen und psychologischen Themen sind für »Healthfluencer« ein gutes Geschäft. Wann werden Vertrauen und Nähe zum Risiko? Ein Interview.
  • Epilog: Können tödliche Substanzen heilen? Die Antwort gibt Claudia Koch, die am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels unter anderem zu Giftschlangen forscht.

 Das „leibniz“-Magazin

»leibniz« ist das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft, deren 96 Institute sich Themen aus allen Wissensgebieten widmen. Das Magazin erzählt von ihrer Forschung und den mehr als 20.000 Menschen dahinter. Und davon, was Wissenschaft für unseren Alltag und die Gesellschaft bedeutet.

Lampert, Claudia (2026): „Sprechstunde bei Dr. Insta“. In: Leibniz-Magazin, 2/2026, Schwerpunkt „Medizin“, S. 19-21.

Überblick

Autoren

Erscheinungsdatum

18.08.2026

Art der Publikation

  • Sonstiges

Forschungsprogramm:

FP 3 Wissen für die Mediengesellschaft

Kompetenzbereich:

Kompetenzbereich Gesundheitskommunikation

Beteiligte Personen:

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