Vom Forschungsprojekt zur dauerhaften Plattform: molo bleibt

Bremen / Hamburg / Leipzig, 9. September 2026. Die Plattform molo (kurz für moving local) wird nach dreieinhalb Jahren gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit an der Universität Bremen weitergeführt und für neue Städte, Medien und Vereine geöffnet. Die gemeinwohlorientierte App bündelt lokale Informationen und ist inzwischen deutschlandweit, kostenlos, werbefrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Entwickelt wurde molo von der Universität Bremen, dem Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) und der Universität Leipzig im engen Dialog mit Bürger:innen und lokalen Akteuren. Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, die lokale Öffentlichkeit dauerhaft stärkt. Die Bundesförderung endet nun planmäßig, die Plattform bleibt: Das Konzept trägt über das Forschungsprojekt hinaus.

„molo ist der Befreiungsschlag aus der Abhängigkeit von den großen Tech-Plattformen, die Daten absaugen“, sagt Prof. Dr. Andreas Hepp, Projektleitung ZeMKI. „Zusammen mit allen Beteiligten konnten wir zeigen, dass eine lokale und regionale Informationsplattform integrativ und datensparsam funktioniert und eine direkte Publikumsbeziehung möglich macht.“

Die lokale Öffentlichkeit steht unter Druck. Für 18 Prozent der Onliner sind soziale Medien inzwischen die wichtigste Nachrichtenquelle, bei den 18- bis 24-Jährigen für 44 Prozent, so die aktuelle Nachrichtennutzungsstudie des HBI (Reuters Institute Digital News Report 2026 – Ergebnisse für Deutschland). Lokale Angebote und Nachrichten gehen dort in der Informationsflut unter.

„Lokale Öffentlichkeit entsteht nicht mehr von selbst, sondern ist eine Infrastrukturfrage. Die Nachrichtennutzung läuft immer stärker über wenige kommerzielle Plattformen und was vor Ort passiert, verteilt sich auf immer mehr einzelne Kanäle“, sagt Prof. Dr. Wiebke Loosen, Projektleitung HBI.

Für Vereine, Initiativen, Kultureinrichtungen und Kommunen heißt das: immer mehr Kanäle bespielen, um überhaupt sichtbar zu bleiben – die eigene Website, städtische Kalender, Newsletter, Portale und soziale Medien. Gerade für ehrenamtlich getragene Organisationen ist das oft nicht leistbar.

„Sichtbarkeit vor Ort hängt dann davon ab, wer die Kapazitäten dafür hat. Eine gemeinwohlorientierte Infrastruktur bündelt lokale Öffentlichkeit stattdessen an einer Stelle, ohne auf Reichweite und Werbung optimiert zu sein“, so Loosen – „molo zeigt, wie das aussehen kann.“

molo bietet einen Ausweg aus der Abhängigkeit von den großen Plattformen

molo setzt dort an, wo lokale Informationen ohnehin entstehen: auf den Websites von Vereinen, Initiativen, Kommunen, Kultureinrichtungen und Medien. Der Content-Hub von molo importiert Termine und Meldungen automatisch und bündelt sie an einem Ort. Die eigens dafür entwickelte molo-KI ordnet die Inhalte, erzeugt aber keine, arbeitet datensparsam und ist auf die Anforderungen des EU AI Act ausgelegt. Wer über die molo-App einen Beitrag öffnet, gelangt direkt zum Original.

Das Prinzip hat sich im Alltag etabliert: Von Greifswald bis Reutlingen verarbeitet molo heute täglich tausende Meldungen aus hunderten Quellen und Medienpartnern für ganz Deutschland. Weit über 6.000 Menschen nutzen die App, mehr als 300.000 Veranstaltungen wurden bislang erfasst. Neben Presseämtern, Vereinen und Kultureinrichtungen speisen auch Medien Inhalte ein, darunter die Tagesschau, die taz, der Weser-Kurier und die Landeszeitung (Lüneburg). Ort und Umkreis für Nachrichten und Veranstaltungen legen die Nutzer:innen dabei selbst fest.

Das Ziel der Förderung ist erreicht

Von März 2023 bis August 2026 wurde das Projekt molo.news in der Förderlinie VIP+ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (heute Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) gefördert. Ziel war ein Betriebsmodell, das ohne Projektförderung auskommt, erprobt in Groß-, Mittel- und Kleinstädten. Was 2017 als Forschungsprojekt „Tinder die Stadt“ begann, ist damit zu einer dauerhaften Infrastruktur für lokale Öffentlichkeit geworden, werbefrei und gespeist aus dem, was Vereine, Ämter und Redaktionen vor Ort ohnehin veröffentlichen.

ZeMKI und HBI setzen ihre enge Zusammenarbeit fort

Als unabhängige Plattform für lokale Informationen und Veranstaltungen hat sich molo bewährt und wird daher von der Universität Bremen weiterentwickelt und betrieben. Auch die Forschung geht weiter. ZeMKI und HBI führen ihre enge Zusammenarbeit fort und werten gemeinsam aus, was sich in dreieinhalb Jahren Betrieb über lokale Öffentlichkeit gezeigt hat. Akteure und Medien mit lokalen Inhalten können sich jederzeit anschließen, für die Anbindung genügt eine kurze Anfrage mit Link zur Quelle. Darüber hinaus steht die Technik hinter der gemeinwohlorientierten Plattform künftig auch einzelnen Gemeinden, Netzwerken und Einrichtungen als eigene Lösung bereit. Unter dem Namen molo infrastructures bietet das Team das Plattformprinzip als Infrastruktur für zugeschnittene Kommunikationslösungen an. Erste Gespräche laufen bereits.

Weitere Informationen: www.molo.news / www.moloinfrastructures.com

Die molo-App ist im App Store und bei Google Play erhältlich.

Über die Beteiligten

ZeMKI: Das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen erforscht den Wandel von Medien, Kommunikation und Öffentlichkeit, hat molo entwickelt und koordiniert das Verbundprojekt (Prof. Dr. Andreas Hepp).

HBI: Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) in Hamburg erforscht den Medienwandel und die damit verbundenen Veränderungen öffentlicher Kommunikation (Projektleitung im molo-Verbund: Prof. Dr. Wiebke Loosen).

Universität Leipzig: Die Professur für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Leipzig (Prof. Dr. Christian Pentzold) erforscht digitale Kommunikation und Beteiligung und verantwortet im molo-Verbund die Erprobung in Leipzig und Umgebung.

molo infrastructures: molo infrastructures ist das Transferangebot des molo-Teams an der Universität Bremen: Technik und Plattformprinzip von molo als wissenschaftsbasierte Dienstleistung für Kommunen, Verbünde und Einrichtungen.

Pressekontakt

Alex Krause, ZeMKI, Universität Bremen
Telefon +49 (0)421 218-67699
E-Mail: jakrause@uni-bremen.de oder kontakt@molo.news

Letzte Aktualisierung: 18.09.2026

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