BRC112 Dr. med. KI – Künstliche Intelligenz als Arztersatz?

„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.“ Diesen Warnhinweis für Arzneimittel kennen alle. Müsste er mittlerweile ergänzt werden um „oder fragen Sie Ihren KI-Chatbot?“ Nach Angaben von OpenAI (s. Open AI 2026) wenden sich wöchentlich 230 Millionen Menschen weltweit mit Gesundheitsfragen an den KI-Chatbot ChatGPT. In Deutschland ist es laut einer Befragung der Beratungsfirma Deloitte (s. Deloitte 2026) bereits fast jeder Zweite (47 %), bei den 18- bis 34-Jährigen sogar 71 %. Aber sind diese KI-Systeme auch gute Diagnostiker und Ratgeber?

Dr. Claudia Lampert forscht zu Herausforderungen digitaler Transformation für die Mediensozialisation und Gesundheitskommunikation und ordnet im BredowCast die Nutzungsgründe, die Chancen, sowie Risiken und Nebenwirkungen von KI-Chatbots ein.

Ein zentraler Grund für die Nutzung, sagt sie, sei, dass KI-Chatbots – anders als die klassische Google-Suche – durch das Wechselspiel von Frage und Antwort einen „Arzt-Patienten-Dialog“ suggerieren. Dabei sei Nutzung aber nicht gleich Nutzung. KI-Chatbots würden mittlerweile für verschiedene Arten von Gesundheitsfragen eingesetzt. Darunter zum Beispiel für die Erklärungen medizinischer Befunde, als Entscheidungshilfen bei Behandlungsempfehlungen, für Trainings- und Ernährungspläne, oder auch als emotionaler Anker.

Gerade im Gesundheitsbereich spiele letzteres eine nicht zu unterschätzende Rolle, weil Menschen nicht immer nach Fakten suchen. „Da geht es dann manchmal gar nicht um […] die Sachinformation, sondern es geht um dieses Gefühl von Empathie und emotionalen Support“, so Claudia Lampert und ergänzt: „Viele Themen, gerade schwerwiegende Erkrankungen, haben auch ganz viel damit zu tun, dass ich irgendwie jemanden brauche, der mich versteht.“

KI kann Trost spenden – oder zumindest simulieren. Zudem besteht das Potenzial, dass ein KI-Chatbot – sofern die Nutzenden ausreichend Informationen eingeben – etwa eine seltene Erkrankung erkennt, die ein/e Mediziner/in zuvor nicht erkannt hat.
Darüber hinaus können KI-Chatbots die Gesundheitskompetenz von Nutzenden stärken, indem sie medizinische Informationen verständlicher aufbereiten und Orientierung geben.

Gleichzeitig werden im Podcast aber auch die Risiken von KI-Chatbots benannt. Nur weil eine KI „menschlich“ und vermeintlich überzeugend antwortet, heißt das nicht, dass die Antwort medizinisch korrekt oder angemessen ist. Manche Krankheit ist erfunden (s. Krautreporter 2026), manche Handlungsempfehlung falsch. Ein Problem, das sich dann zu verschärfen scheint, wenn Nutzende unvollständige oder missverständliche Informationen eingeben, wie eine Studie aus Großbritannien (s. Nature Medicine 2026) nahelegt.

Ein KI-Chatbot ersetzt keinen Arzt. Wichtig sei, so Claudia Lampert, für die Nutzung von KI-Chatbots daher, Fragen möglichst konkret zu formulieren, klar zu sagen, welche Art von Antwort man möchte und nach evidenzbasierten bzw. leitlinienorientierten Informationen zu fragen. Und in einen „Trialog“ mit dem Arzt oder der Ärztin zu gehen, um mögliche Risiken und Nebenwirkungen der KI-generierten Antworten gemeinsam einzuordnen und zu klären.

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2026

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