BRC114 Wen erreichen Newsfluencer und News Creator und warum?

Newsfluencer und News Creator informieren über das aktuelle Geschehen, erklären, kommentieren und ordnen ein. Welche Rolle spielen sie aber tatsächlich für die Nachrichtennutzung der deutschen Bevölkerung und im Nachrichtensystem insgesamt? Wer nutzt ihre Inhalte und warum? Sind sie ein Ersatz klassischer Nachrichtenangebote oder eher eine Ergänzung?

Julia Behre und Dr. Sascha Hölig sind für die deutsche Teilstudie des Reuters Institute Digital News Report verantwortlich. Ein Schwerpunkt der Studie lag 2026 auf dem Thema Newsfluencer, bzw. News Creator. Gemeint sind damit typischerweise im Internet bekannte Personen, die hauptsächlich in sozialen Medien, aber zum Beispiel auch in der Podcast-Welt unterwegs sind und sich (auch) mit nachrichtlichen Themen befassen.

Im BredowCast verdeutlichen die Forschenden: 13 Prozent der erwachsenen Internetnutzenden in Deutschland nutzen Inhalte der Newsfluencer. Bei den 18 bis 24-Jährigen sind es 30 Prozent. Abgefragt wurde in der Studie, welche Inhalte in der letzten Woche genutzt wurden. Newsfluencer sind dabei in der Regel als Ergänzung und nicht als Ersatz für klassische Nachrichtenangebote zu verstehen. Sie verdrängen diese also nicht, sondern erweitern das Spektrum der Nachrichtennutzung.

Sascha Hölig erläutert, wer Inhalte von Newsfluencern besonders nutzt: vor allem stark nachrichteninteressierte Menschen, die Nachrichten über viele verschiedene Wege beziehen – nicht nur über klassische Medien, sondern auch über Podcasts, soziale Netzwerke oder auch KI-Chatbots. Dabei wird deutlich: Wer Inhalte von Newsfluencern nutzt, hat nicht automatisch weniger Vertrauen in etablierte Medien. Im Gegenteil: Die Nutzenden vertrauen, so Sascha Hölig, „den Nachrichtenmedien genauso wie der Durchschnitt aller Nutzenden“.

Die Studienergebnisse, so Julia Behre, zeigen, dass Newsfluencer andere Bedürfnisse der Nutzenden erfüllen. Nicht ein größeres Vertrauen in diese Angebote ist ausschlaggebend, sondern andere Nutzungsmotive. So wirken Inhalte von Newsfluencern oft unterhaltsamer, leichter zugänglich und verständlicher als klassische Nachrichtenangebote. Hinzu kommen, so ergänzt Sascha Hölig, Motive wie Ablenkung, der Wunsch, mitreden zu können und die Inhalte leicht mit anderen über soziale Medien teilen zu können. Dass soziale Medien mittlerweile die reichweitenstärkste Online-Nachrichtenquelle darstellen, bildet für diesen Befund einen wichtigen Kontext.

Download des Reports

Die deutsche Teilstudie kann hier heruntergeladen werden: https://leibniz-hbi.de/wp-content/uploads/2026/06/AP83_DNR26_Deutschland.pdf

Der internationale, englischsprachige Report kann unter https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/ abgerufen werden.

Der Reuters Institute Digital News Report

Seit 2012 untersucht der Reuters Institute Digital News Survey jährlich über Repräsentativbefragungen in mittlerweile 48 Ländern generelle Trends und nationale Besonderheiten der Nachrichtennutzung. Die Studie wird unter Koordination des in Oxford (UK) ansässigen Reuters Institute for the Study of Journalism zeitgleich in Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Malaysia, Marokko, Mexiko, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Singapur, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand, Tschechien, Türkei, Ungarn und in den USA realisiert. Pro Land wurden 2026 rund 2.000 Personen befragt. Insgesamt basiert die Studie in der 14. Wiederholung auf den Antworten von fast 100.000 Befragten aus 48 Ländern auf sechs Kontinenten. Thematische Schwerpunkte der Befragungswelle 2026 waren unter anderem Newsfluencer und der Umgang mit Originalquellen bei Nachrichten in sozialen Medien, Suchmaschinen und Antworten einer KI.

Methodik der Befragung

Die Feldarbeit in Deutschland wurde zwischen dem 9. und dem 22. Januar 2026 vom Umfrageinstitut YouGov durchgeführt, das auf der Basis von Online-Access-Panels Stichproben zog, die für Internetnutzende der beteiligten Länder ab 18 Jahren repräsentativ sind. Repräsentativ meint, dass die Stichprobe ein strukturgleiches Abbild der internetnutzenden Bevölkerung hinsichtlich der Variablen Alter, Geschlecht, Region und Bildung darstellt bzw. dementsprechend gewichtet wurde. Generell ist bei der Interpretation der Ergebnisse stets zu berücksichtigen, dass es bei der Stichprobenziehung aus Online-Access-Panels zu Resultaten kommen kann, die Aspekte der Internetaffinität und die Nutzung des Social Web etwas überschätzen. Der Standardfehler der angegebenen Werte bewegt sich in der Regel in einem Bereich zwischen einem und drei Prozent.

Letzte Aktualisierung: 17.07.2026

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