BRC051 Mexican Watchdog Journalism

Folge 51 führt uns nach Lateinamerika. Veronica Sánchez ist eine junge mexikanische Journalistin und Medienforscherin, die sich mit den Herausforderungen des Watchdog-Journalismus in ihrem Land beschäftigt. Im BredowCast spricht sie mit Johanna Sebauer über die vergleichsweise späte Entwicklung kritischer Berichterstattung in Mexiko, über die Herausforderungen der mexikanischen Medienbranche und darüber, warum sie während ihrer Zeit als Journalistin bei Pressekonferenzen niemals etwas vom Buffet genommen hätte.

Watchdog-Journalismus ist in Mexiko ein vergleichsweise junges Konzept. Als breitere Entwicklung setzte er sich erst ab den späten 1970er-Jahren durch. Zuvor waren die politische Elite und die Presse in Mexiko eng miteinander verbunden – in einer Beziehung, die Wissenschaftler*innen heute als „relationship of convenience“, also als Zweckbündnis, bezeichnen. Die Presse bot den Mächtigen Loyalität, während die Mächtigen den Medien im Gegenzug wirtschaftliche Vorteile gewährten. Da Mexiko bis in die 1990er-Jahre wirtschaftliches Wachstum sowie soziale und politische Stabilität erlebte, schienen kritische Stimmen lange kaum vermisst zu werden. “During this time many journalists saw themselves as a part of the political system not as someone to hold the powerful accountable”, erklärt Veronica Sánchez.

Doch allmählich begann sich etwas zu verändern. Einen symbolischen Wendepunkt stellte das Massaker von Tlatelolco im Jahr 1968 dar. Wie in vielen Teilen der Welt war auch in Mexiko das Jahr 1968 von gesellschaftlichen Protesten geprägt. Bei einer friedlichen Studierendenprotestaktion im Stadtteil Tlatelolco in Mexiko-Stadt wurden Schätzungen zufolge 200 bis 300 Menschen durch mexikanische Militär- und Polizeikräfte getötet. Mexikanische Medien berichteten über die Ereignisse nicht sachgerecht. Erst ein Artikel im britischen Guardian machte das tatsächliche Ausmaß der Todesfälle öffentlich. Das Misstrauen gegenüber den heimischen Medien wuchs, und die Forderung nach einer kritischeren Presse wurde lauter.

Ein neuer Stil des Journalismus

Zwischen den 1970er- und den 2000er-Jahren erlebte die mexikanische Medienlandschaft eine Liberalisierung. Zahlreiche neue Zeitungen entstanden und wollten einen neuen journalistischen Stil etablieren. Dazu gehörte auch die Tageszeitung Reforma, für die Veronica Sánchez vier Jahre lang arbeitete.

Medien wie Reforma trugen dazu bei, ein neues journalistisches Selbstverständnis zu etablieren – bis hin zu konkreten Regeln für das Auftreten bei Pressekonferenzen. “When attending a press conference, men had to wear a tie and women formal clothing. We also took the rule of not accepting any gifts from our sources very seriously. We would not take anything from the buffet table that they usually offered to journalists at press conferences. Not even a glass of water.”

Heute stehen mexikanische Nachrichtenmedien – wie viele Medienorganisationen weltweit – vor den Herausforderungen der Digitalisierung. Ein großes Problem ist die Finanzierung. Viele Medienhäuser kämpfen darum, wirtschaftlich zu überleben. Die Ursachen dafür reichen weit zurück und hängen auch mit den problematischen Verflechtungen zwischen Presse und politischer Elite zusammen. Durch diese jahrzehntelange symbiotische Beziehung nach dem Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“ konnten viele mexikanische Medienorganisationen kein stabiles Vertrauensverhältnis zu ihrem Publikum aufbauen.

Was könnte eine Lösung sein? Für Veronica Sánchez ist Qualitätsjournalismus ein öffentliches Gut und sollte auch als solches behandelt werden. “That implies that it should be guaranteed by the state”, sagt sie. “There should be a budget designated to guarantee that the journalistic profession continues to exist.”

Diese Folge des BredowCasts ist auf Englisch.

Verweise

Watchdog Journalism: Wikipedia

Pressefreiheit in Mexiko: Reporters Without Borders – World Press Freedom Index

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  • Veronica Sánchez

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Letzte Aktualisierung: 28.10.2026

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