Hamburg, 09.02.2026. Öffentlich-rechtliche Medien tragen in der digitalen Öffentlichkeit eine neue Verantwortung: Sie sollen nicht nur Inhalte senden, sondern Räume für Debatten eröffnen, moderieren und verlässlich strukturieren. Eine heute in der Hamburger Landesvertretung in Berlin vorgestellte Studie „Dialogfunktion von Public Service Media – Impulse einer Zukunftswerkstatt für die Medienpolitik“ im Auftrag des gemeinnützigen Think Tanks „Agora Digitale Transformation“ zeigt, wie dieser Rollenwandel gelingt und welche Reformen dafür jetzt notwendig sind.
In der Studie skizzieren Prof. Dr. Wolfgang Schulz (Leibniz-Institut für Medienforschung │ Hans-Bredow-Institut), Prof. Dr. Manuel Puppis (Universität Freiburg, Schweiz) und Magdalena Stratmann (Leibniz-Institut für Medienforschung │ Hans-Bredow-Institut) jenseits bestehender Plattformabhängigkeiten die Verantwortung öffentlich-rechtlicher Medien für den gesellschaftlichen Dialog im Digitalen und benennen mögliche medienpolitische Weichenstellungen. Die Gestaltung konstruktiver, inklusiver und demokratischer Kommunikationsräume im Netz sei keine Selbstverständlichkeit, so die Autorinnen, sondern erfordert institutionelle Lernprozesse und eine aktive medienpolitische Rahmensetzung. Dazu ist es nötig,
- plattformunabhängige Dialogräume zu schaffen: Statt sich auf einzelne Plattformen wie Facebook, X (ehemals Twitter), TikTok oder YouTube zu beschränken, sollten öffentlich-rechtliche Medien eigene, journalistisch betreute Diskussionsräume eröffnen;
- Moderation als Kernaufgabe anzuerkennen: Journalist*innen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übernehmen eine inhaltliche, kuratorische und vermittelnde Rolle. Sie begleiten den Dialog als kontinuierlichen Prozess und wirken als Brückenbauer zwischen verschiedenen Meinungsgruppen;
- die Entwicklung von Konzepten für gesamtgesellschaftliche Dialogformate rechtlich zu verankern: Dialogformate müssen fester Bestandteil des öffentlichen Auftrags im Medienstaatsvertrag sein.
„Der offene Austausch ist eine Grundvoraussetzung unseres demokratischen Miteinanders. Dringend braucht es auch für die digitalen Räume Regeln, die einer am Gemeinwohl orientierten Logik folgen. Ich bin dankbar, dass die Zukunftswerkstatt Vorschläge entwickelt hat, wie kommunikative Öffentlichkeit plattformübergreifend hergestellt werden kann und welchen Beitrag öffentlich-rechtliche Medien dazu leisten können. Gesellschaftlicher Dialog muss auch in einer digitalen Medienwelt gelingen. Diese Vorschläge gilt es nun offen und ernsthaft weiter zu diskutieren“, sagt Dr. Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien, bei der Vorstellung der Studie.
Ulrike Demmer, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg: „Die Bedingungen für öffentlichen Dialog haben sich durch neue Technologien grundlegend verändert. Auch als öffentlich-rechtlicher Rundfunk müssen wir darauf eine Antwort finden, wenn wir als solidarisch finanzierte und dem Gemeinwohl verpflichtete Kommunikationsplattform weiter unserem Auftrag gerecht werden wollen. Der Bericht gibt uns wichtige Impulse.“
Wolfgang Schulz, Professor an der Universität Hamburg und Direktor des Leibniz Instituts für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut: „Wir sollten stärker in Szenarien denken, um eine Debatte darüber führen zu können, in welcher digitalen Zukunft wir leben möchten. Das haben wir in diesem Projekt für den Dialog ausprobiert, den wir auch in Zukunft für eine funktionierende Demokratie brauchen.“
„In Zeiten von Big Tech gewinnen starke öffentlich-rechtliche Medien für unsere Demokratie neue Relevanz“, so Torben Klausa, Innovation Lead für Digitale Öffentlichkeit bei der Agora Digitale Transformation. „Doch diese neue Relevanz geht auch mit neuen Rollen einher. Denn im Internet ist nicht die Verbreitung von Informationen ein knappes Gut, sondern der folgende konstruktive Dialog. Gemeinsamer Mut von Medienpolitik und Öffentlich-Rechtlichen kann hier echten gesellschaftlichen Wert schaffen.“
Weiterführende Links
- Zur Studie „Dialogfunktion von Public Service Media“
- Zur Kurzfassung der Studie
- Literaturanalyse zur „Rolle von Public Service Media als Ermöglichern von Dialog in digitalisierten Gesellschaften“
Über das Projekt „Dialogformate öffentlich-rechtlicher Medien“
Digitale Kommunikation verändert die Bedingungen gesellschaftlicher Verständigung grundlegend und stellt öffentlich-rechtliche Medien vor die Frage, welche Rolle sie im digitalen Zeitalter als Plattformen für gesellschaftlichen Dialog einnehmen können. Vor diesem Hintergrund widmete sich das Projekt „Dialogformate öffentlich-rechtlicher Medien“ der Entwicklung zukunftsfähiger Dialogformate in digitalisierten Gesellschaften. Im Mittelpunkt standen dabei die Bedeutung digitaler Dialogfunktionen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt, aktuelle Trends der Mediennutzung, bestehende innovative Praxisbeispiele sowie die Entwicklung konkreter Szenarien und Handlungsempfehlungen für Public Service Media und weitere relevante Akteure. Die Zukunftswerkstatt brachte eine kleine Gruppe von Expert*innen aus Wissenschaft, Medienpraxis, NGOs und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zusammen und fand als eineinhalbtägiger Workshop am 25. und 26. September 2025 statt.
Über die Agora Digitale Transformation
Agora Digitale Transformation ist der Thinktank für Updates unserer Demokratie. Ziel ist es, die Chancen der Digitalen Transformation zu nutzen, um die Demokratie in Deutschland zu stärken. Als gemeinnützige Organisation arbeitet der Thinktank überparteilich, kollaborativ und evidenzbasiert mit dem Schwerpunkt auf umsetzbare und wirksame Lösungen für die Politik. Die Agora Digitale Transformation sucht dafür gezielt den Austausch und die Zusammenarbeit mit Innovator*innen aus Gesellschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Foto: Agora Digitale Transformation/Hendrik Schneller