Meta und Alphabet haften für süchtig machendes Design

Nach zwei bedeutenden Gerichtsurteilen gegen Meta und Alphabet in den USA  am 25. und 26. März 2026 erläutert Medienrechtler Prof. Dr. Matthias C. Kettemann in verschiedenen Interviews die Tragweite der Entscheidungen und was sich für die Plattformen zukünftig konkret ändern könnte.

Zum Hintergrund

Eine Geschworenenjury hat am 26. März 2026 in Kalifornien die Konzerne Alphabet und Meta zu Schadenersatzzahlungen verurteilt. Die Begründung: Sie handelten fahrlässig bei Gestaltung und Betrieb ihrer Plattformen.

Geklagt hatte eine 20-jährige Frau, die die Konzerne – konkret die Plattformen YouTube und Instagram – für ihre Social-Media-Sucht verantwortlich macht. Das Gericht gab ihr nun Recht. Das Urteil: Die Konzerne müssen Zahlungen in Höhe von insgesamt sechs Millionen US-Dollar leisten. Beide wollen in Berufung gehen.

Meta wurde zudem am 25. März von Geschworenen in New Mexico zu einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar verurteilt. Die Begründung der Jury: Das Unternehmen habe wider besseres Wissen nicht genug für den Schutz junger Nutzer*innen getan.

Aktuellste Beiträge von Matthias C. Kettemann

Tragweite der Urteile

ORF2: „Nun ging es zum ersten Mal nicht darum, was Instagram, was Facebook mit einzelnen Inhalten macht, sondern um die Art und Weise, wie sie die Inhalte präsentieren.“

In ZDF heute ordnet Matthias C. Kettemann die Urteile als „Warnschuss“ für die Branche ein. Das Verfahren der Klägerin K.G.M. sei als „Leiturteil“ für weitere Verfahren zu bewerten. Die Plattformen bekämen nun „richtig Stress.“

Die Urteile seien, so Kettemann, wichtig, da sie zeigten, dass sich die Plattformen rechtswidrig verhielten. Das „wird jetzt zu einem Umdenken führen. Die Plattformen können nicht einfach weitermachen wie bisher“.

Deutschlandfunk, Der Tag: „Eine neue Ära hat hier begonnen.“ „Das ist der Beginn einer juristischen Revolution.“

Der Stern: „Geschworenengerichte sind zunehmend bereit, soziale Medien nicht nur politisch oder moralisch, sondern ganz konkret haftungsrechtlich für behauptete Sucht- und Gesundheitsschäden verantwortlich zu machen.“

Beispiel Instagram: Wie kann besserer Schutz konkret aussehen?

ZDF heute: „Die EU-Kommission hat sehr gute Vorschläge schon gemacht zu kinderfreundlichem Design […]: Zeitlimits, Hinweise [seitens der Plattform] wie ‚jetzt bist du schon ziemlich lange online, mach mal was anderes‘ oder ein Abstellen des Infinite Scrollings […] oder Empfehlungen für qualitätsvolle Inhalte, etwa der Öffentlich-Rechtlichen.“

Social Media und ihr Effekt auf die psychische Gesundheit

Deutschlandfunk, Der Tag: „Depressionen und andere gesundheitliche Probleme haben immer verschiedene Ursachen. Und es wäre fatal, das zu verkürzen und zu sagen, Social Media macht abhängig oder Social Media macht uns dumm oder radikal. Da gibt es verschiedene Gründe. Aber jetzt haben diese Verfahren […] gezeigt, dass Social Media halt auch dazu beiträgt, dass es Leuten manchmal schlechter geht, gerade Kindern. Und sie hätten da was tun müssen dagegen.“

Regelungen auf EU-Ebene

ZDF heute: „Schon jetzt sind die Plattformen durch europäisches Recht auf Kinderschutz gebunden, d. h. sie müssen Kinder besser schützen. Es stimmt, manche Detailrichtlinien der Kommission sind noch nicht verbindlich, aber die Plattformen können auch in Europa nicht sagen, dass Kinder ihnen egal sind.“

Vielleicht bewirke, so Matthias C. Kettemann, die erfolgreiche Klage in den USA nun auch in der EU, dass junge Menschen die Plattformen verklagen. „Vielleicht haben wir hier eine neue Flanke eröffnet“.

„Die EU hat in letzter Zeit viele gute Digitalgesetze verabschiedet. Ich denke, der Digital Fairness Act könnte so das Tüpfelchen auf dem i sein, weil er nämlich neben diesen Grundpflichten, die wir jetzt schon haben, die Pflichten der Plattformen verstärkt ausbuchstabiert und sagt eben, dass sie dafür sorgen müssen, dass die Art und Weise, wie man die Plattformen nutzt, den Menschen nicht schadet, sondern eher nützt.“

Gesellschaftliche Verantwortung

ZDF heute: „Wir müssen viel mehr ins Gespräch gehen mit den jungen Leuten. Wir müssen die Eltern sensibilisieren, die Schulen sensibilisieren. Da helfen Gespräche über Social Media Verbote nichts. Das löst nicht das Problem, das verschiebt es nur nach hinten.“

Foto von Creative Christians auf Unsplash

 

Letzte Aktualisierung: 30.03.2026

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