Der Beitrag von PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt in der Zeitschrift Ligante argumentiert, dass wir einen tiefgreifenden Wandel unserer gesellschaftlichen Verständigungsordnung erleben. Mit Verständigungsordnung ist, so Schmidt, „in einer ersten Annäherung das Geflecht von Akteur*innen, Medientechnologien, Normen, Institutionen und Narrativen gemeint, die rahmen, wie wir uns mit anderen Menschen über gemeinsame Belange austauschen.“
In sozialen Medien werden zugespitzte und affektiv aufgeladene Beiträge mit Aufmerksamkeit belohnt. Das hat Folgen für gesellschaftliche Verständigungsprozesse. Soziale Medien können zum Nährboden für Desinformation werden – also für falsche oder aus dem Kontext gerissene Informationen, die mit Täuschungsabsicht verbreitet werden.
„Soziale Medien unterlaufen ein zentrales kommunikationsethisches Prinzip demokratischer Verständigung, nämlich die Erwartung an die Wahrhaftigkeit von Äußerungen.“
Es kommt, so Schmidt, darauf an, die gesellschaftliche Verständigungsordnung resilient zu machen. Medientechnologien und Medieninstitutionen müssten so gestaltet sein, dass sie dem demokratischen Gemeinwohl dienen können und nicht autoritären Ideologien oder einer reinen ökonomischen Gewinnmaximierung.
Als wesentliche Ansatzpunkte nennt er:
- eine deutlich stärkere Regulierung großer Plattformen und der dahinterstehenden Unternehmen, etwa durch den Digital Services Act auf europäischer oder den Medienstaatsvertrag auf nationaler Ebene
- den Aufbau alternativer und unabhängiger Infrastrukturen für gesellschaftliche Verständigung, beispielsweise im Fediverse mit Mastodon als Alternative zu X/Twitter, Pixelfed als Alternative zu Instagram oder PeerTube als Alternative zu YouTube
- die Stärkung und Weiterentwicklung öffentlich-rechtlicher Medienstrukturen als Public Service Medien
Die Zeitschrift Ligante#9 steht hier kostenfrei zum Download zur Verfügung. Der Beitrag von Jan-Hinrik Schmidt beginnt auf Seite 13.
Schmidt, Jan-Hinrik (2026): „Soziale Medien und der Wandel der gesellschaftlichen Verständigungsordnung“. In: Ligante. Fachdebatten aus der Präventionsarbeit, Ausgabe #9, S. 13–19.