
Die Studie von Dr. Azade Kakavand, Philipp Kessling und PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt untersucht Kommunikationsdynamiken im Umfeld der Bundestagswahl 2025. Sie analysiert, wie digitale Medien politische Debatten prägen und betrachtet drei Fälle im Zeitraum von November 2024 bis Oktober 2025: die Wahl neuer Richter*innen für das Bundesverfassungsgericht, die Messerattacke in Aschaffenburg und die Diskussion um das Bürgergeld. Um die Diskursdynamiken nachzuzeichnen, werden Daten aus publizistischen Medien- (Print, TV, Talkshows) und Social-Media-Plattformen (Telegram, TikTok) untersucht. Die Studie unterscheidet zwischen Diskursarenen des Zentrums und der Peripherie und zeigt, wie diese miteinander verwoben sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Die Publikation wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert und herausgegeben und ist hier Open Access zugänglich.
Die Ergebnisse bestätigen frühere Befunde: Rechtspopulistische Akteur*innen am Rand nutzen „Issue Ownership“, um Themen wie Migration in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen und ihren Narrativen Wirkmacht zu verleihen. Durch die hybride Öffentlichkeitsstruktur – Kombination von journalistischen Medien und Social Media – werden Debatten dynamischer, unübersichtlicher und offener. Akteur*innen am Rand können leichter Sichtbarkeit erlangen, wobei ihre Argumente häufig in zentrale Diskurse überlaufen und politische Entscheidungen beeinflussen.
Handlungsempfehlungen
Um den Herausforderungen, die diese neue hybride Öffentlichkeitsstruktur schafft, gewachsen zu sein, formulieren die Autor*innen folgende Empfehlungen:
- Medien- und Journalist*innen sollten etablierte Sorgfaltspflichten ausbauen, indem sie systematisch alle relevanten Diskursarenen überwachen, die Herkunft von Informationen prüfen und potenziell manipulative Narrative frühzeitig identifizieren und fact-checken.
- Politik und Regulierungsbehörden müssen den Datenzugang für unabhängige Forschungs- und Analysezwecke stärken, etwa durch konsequente Umsetzung des Digital-Services-Acts, um wissenschaftliche Studien über hybride Öffentlichkeiten und Desinformationsrisiken zu ermöglichen.
- Demokratische Akteur*innen sollten gezielt Strategien entwickeln, um periphere Narrative in den zentralen öffentlichen Diskurs zu integrieren, ohne deren radikale Inhalte zu übernehmen – etwa durch offene Dialogplattformen, transparente Kommunikation und die Förderung von Qualitätsjournalismus, um die Resilienz der Meinungsbildung gegenüber populistischen und extremistischen Kräften zu erhöhen.
Kakavand, A.; Kessling, P.; Schmidt, J.-H. (2026): Netzwerke der Meinungsbildung. Kommunikationsdynamiken im Umfeld der Bundestagswahl 2025. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.