Um herauszufinden, wie Wissenschaftsjournalist*innen arbeiten, wurde Irene Broer selbst Teil einer Redaktion. Mithilfe der Forschungsmethode Ethnografie verbrachte sie mehrere Wochen in einem Team von Wissenschaftsjournalist*innen. Im BredowCast erklärt sie, was diese Form der Forschung ausmacht und warum sich ethnografische Methoden besonders gut eignen, um Journalismus zu untersuchen.
Vier Wochen lang war Irene Broer Teil des Redaktionsteams des Science Media Center Germany in Köln – einer auf wissenschaftliche Themen spezialisierten Einrichtung für den Wissenschaftsjournalismus. Während dieser Zeit schaute sie den Redakteur*innen bei ihrer Arbeit über die Schulter und beobachtete, wie sie Informationen filtern, Themen auswählen und entscheiden, was berichtenswert ist.
Diese „Redaktionsethnografie“ war Teil von Irene Broers Promotionsprojekt, in dem sie die Arbeitsweisen des Wissenschaftsjournalismus in Deutschland untersuchte. Ethnografische Methoden eignen sich ihrer Ansicht nach besonders gut, um journalistische Arbeit hinter den Kulissen zu erforschen. „Was man in Zeitungen sieht, vermittelt kaum eine Vorstellung davon, was zuvor passiert. Mich interessieren die Entscheidungen, die dem vorausgehen.“
Während ihrer ethnografischen Forschung tauchte Irene Broer möglichst vollständig in das Umfeld ein, das sie untersuchte. Sie bat die Redakteur*innen, sie wie eine Praktikantin zu behandeln und ihr konkrete Aufgaben zu geben. So wollte sie vermeiden, lediglich als Beobachterin in einer Ecke zu sitzen und Notizen zu machen.
Dieser Ansatz bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Eine zentrale Schwierigkeit ethnografischer Forschung besteht Broer zufolge darin, Teil einer Gruppe zu werden und diese gleichzeitig mit der notwendigen wissenschaftlichen Distanz zu beobachten. „Als Ethnografin muss man sich sehr bewusst darüber sein, welche Vorannahmen man über den eigenen Forschungsgegenstand mitbringt, und damit transparent umgehen. Manchmal verändern sich diese Vorannahmen, weil man feststellt, dass die Realität etwas anders aussieht, als man sie sich vorher vorgestellt hat. Und genau das ist das Schöne an der Ethnografie“, sagt sie.
Diese Folge des BredowCasts ist auf Englisch.
Verweise
Details zu Irene Broers Forschungsprojekt