Jan-Hinrik Schmidt spricht im BredowCast über Elon Musks Twitterübernahme und was dies für die Wissenschaft bedeuteten könnte.
Nicht einmal 10 Prozent der Deutschen sind auf Twitter registriert, geschweige denn dort aktiv, dennoch bewegt die Übernahme der Plattform durch Unternehmer Elon Musk die Gemüter. Jan-Hinrik Schmidt erklärt die Aufmerksamkeit, die dieser Personalie aktuell zuteilwird so: „An Nutzer*innenzahlen gemessen mag Twitter unbedeutend erscheinen, die Plattform hat aber entscheidende Relevanz. Die Plattform verlängert publizistische Öffentlichkeit an einer wesentlichen Stelle. Es bietet Resonanzraum für Themen auf der politischen Agenda und einen Vorfeldraum, der Themen überhaupt erst auf die politische Agenda bringt.“
Twitter in der Wissenschaft
Für die Wissenschaft ist Twitter ein besonders interessantes Thema. Zum einen ist die Plattform unter Forschenden ein beliebtes Tool zum Netzwerken und zur Kommunikation ihrer Arbeit, zum anderen ist Twitter auch beliebtes Forschungsobjekt. Die Plattform bietet, im Gegensatz zu allen anderen Sozialen Netzwerken, der Wissenschaft großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichende Archiv über alle jemals geposteten Tweets. Mit aus diesem Archiv gewonnen Daten forscht auch das HBI in einigen Projekten.
Wie der neue Twitterchef diesen „Academic Access“ handhaben wird, ist unklar. Dass er ihn komplett schließen würde, kann sich Jan-Hinrik Schmidt nicht vorstellen. „Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.“
Twitter-Alternative Mastodon
Die in Deutschland gegründete Plattform Mastodon hat es plötzlich vielen angetan und wird als „Twitter-Alternative“ gehandelt. Auch Jan-Hinrik Schmidt ist seit Musks Twitterübernahme dort aktiv. Für die Wissenschaft und ihre Kommunikation werde relevant sein, wo die Zielgruppen sind, die sie erreichen möchte. „Sollte es tatsächlich zu Massenabwanderungen zu Mastodon kommen, ist es natürlich sinnvoll, als Wissenschafler*in bzw. wissenschaftliche Institution, auch dorthin zu ziehen.“
Verweise
BredowCast Episode 73: „Mit Twitterdaten forschen” mit Philipp Kessling