Im Podcast „Läuft“, dem Podcast von epd medien und Grimme-Institut, spricht die Medienwissenschaftlerin und Journalistin Anna von Garmissen mit Host Alexander Matzkeit über die Lage des Journalismus in Deutschland. Grundlage des Gesprächs sind die – aus ihrer Sicht alarmierenden – Ergebnisse dreier Studien, die sie in einem Gastbeitrag für epd medien zusammengefasst hat.
Die Studien
- Die Studie „Journalismus unter Druck“ (Open Access), geleitet von Prof. Dr. Wiebke Loosen unter Mitwirkung von Anna von Garmissen am HBI
- Die nicht repräsentative Studie „Burning (out) for Journalism“ (Open Access), unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hanitzsch an der Ludwig-Maximilians-Universität München
- Die Studie „Ausstieg aus dem Journalismus“ (€) von Jana Rick an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Zentrale Befunde
Anna von Garmissen beschreibt eine strukturelle Verschlechterung der Arbeitsbedingungen: „Die Strukturen werden schlechter für die Arbeitnehmenden. Wir haben es mit Prekarität zu tun, mit zunehmenden Befristungen, mit sehr viel Druck ressourcenmäßig. Also schlecht ausgestattete oder personell ausgestattete Redaktionen, viel Zeitdruck ist hinzugekommen, neue Plattformen (…). Und das alles zeigt sich dann eben auch in der mentalen Gesundheitslage der JournalistInnen.“
Trotz hoher intrinsischer Motivation erwägen viele den Ausstieg: „Eigentlich ist es ein Beruf, der die Menschen (…) zufrieden macht, weil sie einen Sinn darin sehen und weil sie intrinsisch motiviert sind. Das ist eigentlich dann so traurig, dass trotzdem so viele sich gezwungen sehen, den Beruf zu verlassen.“
Besonders hoch sei der Stress bei Nachrichtenagenturen und im Privatfernsehen. Die Studie „Ausstieg aus dem Journalismus“ von Jana Rick zeigt zudem, dass viele ehemalige Journalist*innen ihre berufliche Situation außerhalb des Journalismus als stabiler, finanziell attraktiver und besser vereinbar mit Familie erleben.
Mit Blick auf die demokratische Funktion des Journalismus und das Selbstverständnis der Journalist*innen verweist sie auf die Worlds of Journalism-Studie, an der sie selbst mitgewirkt hat: „Das zweitwichtigste von allen war Desinformation bekämpfen. Also weit über 80 Prozent der Befragten fanden das sehr oder extrem wichtig in ihrer täglichen Arbeit. Also da sehen wir mal, was Journalist*innen für eine wichtige Aufgabe erledigen, damit die Gesellschaft, die Bevölkerung sich ein gut informiertes Bild machen kann. Und wenn das dann auf so einer schlechten Basis steht, dann finde ich das eben auch sehr bedenklich für die Gesamtgesellschaft.“
Gäbe es Reformoptionen? „Das wäre eine große Hilfe, wenn der Journalismus als gemeinnützig anerkannt werden würde“, sagt Anna von Garmissen. Zudem verweist sie auf internationale Modelle qualitätsorientierter Förderung: In Luxemburg richtet sich Presseförderung an der Zahl redaktionell Mitarbeitender aus. In Norwegen existieren staatlich unterstützte Gratisabos für Jugendliche und junge Erwachsene, die breite Nutzung finden.
Mit Blick auf Künstliche Intelligenz (KI) betont sie neben ethischen Risiken auch Potenziale — vorausgesetzt, Effizienzgewinne durch die Nutzung von KI würden in journalistische Qualität reinvestiert.