Am 6. September hat Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag gewählt. Dr. Azade Kakavand, Mitarbeiterin im Social Media Observatory des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt, hat im Vorfeld der Wahl die Präsenz der Parteien auf TikTok untersucht und erläutert in der Sendung „Das Medienmagazin“ (radioeins, rbb), warum die AfD auch auf TikTok eine große Reichweite erzielen konnte.
Hier geht es zur Sendung.
Grundsätzlich sei es für Parteien von Vorteil, nicht nur in Wahlkampfzeiten, sondern kontinuierlich auf TikTok präsent zu sein, erläutert sie im Interview: „Parteien sind nicht anders als Influencer*innen, die auch immer mit dem Algorithmus interagieren müssen und immer weiter posten müssen, damit sie weiter Beachtung finden.“
Die AfD bespielt die Plattform TikTok schon lange aktiv. Dabei fällt ein großer Teil ihrer Reichweite auf einzelne Accounts. Der Account von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erreicht beispielsweise eine größere Reichweite als der Account der Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel.
Was dabei auffällt: Siegmunds Auftritt ist stark personalisiert und verbindet professionelle Videogestaltung mit populistischen Kommunikationsstrategien. Zudem verknüpft er Online- und Offline-Wahlkampf, etwa durch Aufnahmen von AfD-Wahlkampfständen.
Die hohe Reichweite der AfD sei auch auf die Plattformlogiken von TikTok zurückzuführen, die emotionalisierende Inhalte begünstigen können, erläutert Azade Kakavand. Ob TikTok damit auch den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt entschieden hat, lasse sich aus den Daten jedoch nicht ableiten. Zu berücksichtigen sei zum einen, dass die Follower*innen nicht nur aus Sachsen-Anhalt kommen, und zum anderen, dass nur wenige TikTok für den Bezug von Nachrichten nutzen – laut des aktuellen Reuters Institute Digital News Reports sind es 7 Prozent. Dazu Azade Kakavand: „Das ist gar nicht mal so viel. TikTok ist aber bei jungen Menschen beliebt. Das kann aber nicht den Wahlerfolg generell in Sachsen-Anhalt jetzt erklären. Wir brauchen also insgesamt noch mehr Informationen darüber, wie TikTok im Wahlkampf tatsächlich funktioniert.“
Das Interview basiert auf einem Blogbeitrag von Azade Kakavand und Tet Turiy, in dem die Analyse aller Parteien ausführlich dargestellt wird.