Generative KI aus Sicht von Jugendlichen

Die Nutzung generativer KI – insbesondere ChatGPT – ist inzwischen fest in der Online-Nutzung Jugendlicher verankert. Eine Studie von Kira Thiel, Claudia Lampert und Eleysa Memis nimmt die Perspektiven Jugendlicher auf generative KI in den Blick und zeigt, welche Bedeutung KI-Anwendungen im Alltag der Jugendlichen zukommt. Sie erläutert, wofür Jugendliche generative KI einsetzen, welche Vorteile und welche Risiken sie sehen, inwiefern sie sich selbst als kompetent im Umgang mit diesen Technologien wahrnehmen und inwiefern sie von Eltern oder Lehrkräften bei der Nutzung von KI-Technologien begleitet, unterstützt oder darauf vorbereitet werden.

Cover des Berichts "Generative KI aus Sicht von JugendlichenDurchgeführt wurden 15 qualitative Interviews mit Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, die jeweils sehr unterschiedliche Erfahrungen mit KI-Anwendungen gemacht haben.

Thiel, Kira; Lampert, Claudia; Memis, Eleysa (2026): Generative KI aus Sicht von Jugendlichen. Eine qualitative Studie im Rahmen des Projekts „EU Kids Online“. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, Februar 2026, https://doi.org/10.21241/ssoar.108066

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz CC BY 4.0. Der Bericht dokumentiert Ergebnisse, die im Rahmen eines qualitativen Teilprojekts (2024-2025) des Forschungsverbundes EU Kids Online entstanden sind (http://eukidsonline.net), dem das HBI seit 2006 angehört.

Zusammenfassung der Ergebnisse

In Kürze lassen sich die zentralen Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

  • Alle befragten Jugendlichen hatten Erfah­rungen mit KI-gestützten Anwendun­gen. Das Repertoire genutzter KI-Anwendungen beschränkt sich in der Regel auf wenige Angebote, allen voran ChatGPT, wobei die Nutzungshäufigkeit stark variiert. Diese ist vor allem vom wahrgenommenen Nutzen abhängig.
  • Jugendliche nutzen KI häufig im schulischen Kontext. Dort werden sehr unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten beschrieben, u. a. Informationen suchen, Texte oder Präsen­tationen erstellen, Inhalte zusammenfassen, Aufgaben lösen, Erklärungen geben und Bilder generieren.
  • Schulbezogene Nutzungspraktiken lassen sich hinsichtlich der kognitiven Involviertheit in passiv-delegierend (Aufgaben werden an generative KI delegiert und von dieser ausgeführt) und unterstützend (generative KI wird zur Unterstützung von Lernprozessen und der Bearbeitung von Aufgaben eingesetzt) unterscheiden.
  • Jenseits schulischer Kontexte nutzen Jugendliche generative KI auch im Umgang mit konkreten Alltagsproblemen und indivi­duellen Herausforderungen, was die wachsende Bedeutung generativer KI als Kommunikationspartner*in unterstreicht.
  • Neben praktischen Vorteilen nehmen Jugendliche in Bezug auf generative KI verschiedene Risiken wahr. Zentrale Sorgen betreffen Desinformation, Deepfakes und fehlerhafte Ergebnisse, den Missbrauch KI-generierter Inhalte (z. B. Verbreitung KI-generierter Nackt­fotos), mögliche Privatsphäreverletzungen (z. B. durch das Speichern oder Weiterverarbeiten persön­licher Daten oder Chatverläufe), einen langfristigen Kompetenzverlust durch das Auslagern von Denk- und Lernprozessen, die Veränderung von Körperbildern oder Schön­heitsidealen und negative gesellschaftliche Folgen wie eine Veränderung des Arbeitsmarktes oder geo- und sicherheits­politische Konsequenzen.
  • Die Heranwachsenden erkunden die Möglichkeiten generativer KI aktuell überwiegend auf eigene Faust, was zu ungleichen Erfahrungen, Wissensständen und Kompetenzen im Umgang mit KI-gestützten Anwendungen führt. Eine Begleitung, Unterstützung oder Vorbereitung auf die Nutzung findet nur vereinzelt oder in Bezug auf einzelne Anwendungen statt.
  • Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verbreitung von relationalen KI-Systemen und Chatbots zeigt sich ein Bedarf, Eltern und pädagogische Fachkräfte für Chancen und Risiken, insbesondere auch mit Blick auf beziehungsbezogene Aspekte, zu sensi­bilisieren.
  • Wünschenswert wären darüber hinaus Gelegenheiten und Räume, in denen Jugendliche im Austausch mit anderen ihre KI-Nutzung und die damit verbundenen Ambivalenzen (KI als praktischer Alltags­helfer vs. KI als risikobehaftete, potenziell schädliche Technologie) reflektieren können.

Überblick

Erscheinungsdatum

10.02.2026

Art der Publikation

  • sonstige Publikation

Projektbezug:

EU Kids Online

Forschungsprogramm:

FP 3 Wissen für die Mediengesellschaft

Kompetenzbereich:

Kompetenzbereich Aufwachsen in digitalen Medienumgebungen

Beteiligte Personen:

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