Softwaresysteme, Öffentlichkeit und Teilhabe

Die Teilhabe an gesellschaftlicher Öffentlichkeit wird mittlerweile maßgeblich von digitalen Medien ermöglicht. Welche Merkmale von Softwaresystemen wirken in welcher Weise prägend auf das Nutzerhandeln ein? Und welche kommunikativen Figurationen von Betreibern, Entwicklern und Nutzern entscheiden über die Gestalt dieser Merkmale?

Digitale Medien erleichtern es, sich zu gesellschaftlich relevanten Themen informieren und einbringen zu können. Sie eröffnen aber nicht nur neue Handlungsmöglichkeiten, sondern rahmen die Praktiken ihrer Nutzer*innen zugleich auf ganz eigene Weise: In den „Code“, also in die zugrundeliegenden Softwaresysteme, sind Datenstrukturen, Algorithmen, (Vor-)Einstellungen und Schnittstellen eingeschrieben, die Handlungsweisen und daraus folgende Konsequenzen maßgeblich prägen: Welche Optionen bieten etwa die Datenfelder einer individuellen Profilseite auf einer Social-Media-Plattform, um politische Präferenzen zu artikulieren? Wie eng oder vielfältig sind die personalisierten Informationswelten, die Empfehlungs- oder Suchalgorithmen ausgeben? Welche Formen der Zirkulation und Verwertung von Daten fördern Programmierschnittschellen? Diese Fragen verdeutlichen beispielhaft, dass die Gestalt von Softwaresystemen gesellschaftliche Öffentlichkeit und die Teilhabe an ihr prägt. Sie ist selbst aber auch Ergebnis von sozialer Praxis in Softwareunternehmen, organisationsinternen Entwicklungsabteilungen oder ähnlichem. Anders gesagt: Es sind immer spezifische Akteurskonstellationen mit eigenen kommunikativen Praktiken, die Modelle der sozialen Realität entwerfen und in „running code“ übersetzen.

Projektziele

Ziel dieses Projektes ist es, einen kommunikationssoziologischen Zugang zum Verhältnis von Softwaresystemen, Öffentlichkeit und Teilhabe zu entwickeln. Dies schließt zum ersten ein, sozialwissenschaftlich anschlussfähige Kategorien für die Beschreibung von Softwaresystemen zu entwickeln, um deren Prägekraft beschreiben und erklären zu können. Zum zweiten soll die soziale Prägung der Softwaresysteme in den kommunikativen Figurationen ihrer Betreiber, Entwickler und Nutzer untersucht werden.

Bild: Rob Hampson auf unsplash.com

Projektdetails

Überblick

Laufzeit Beginn: 2015; Laufzeit Ende: 2037

Beteiligte Personen

Ansprechpartner

Portrait von Jan-Hinrik Schmidt, Mann mit Brille in hellblauem Hemd steht lächelnd vor weißem Gebäude.

PD Dr. Jan-Hinrik Schmidt

Senior Researcher digitale Medien und politische Kommunikation

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Warburgstraße 30b
20354 Hamburg

Ähnliche Projekte & Publikationen

Cover des Arbeitspapiers Nr. 84
Publikation Englischsprachige Kurzfassung

Babies and Toddlers in Monetised Social Media Profiles

In der englischsprachigen Kurzfassung ihrer Studie zu Babys und Kleinkindern im Family Influencing berichten Stephan Dreyer, Claudia Lampert, Kira Thiel et al. darüber, wie häufig und auf welche Weise Babys und Kleinkinder (0–5 Jahre) auf Instagram, TikTok und YouTube dargestellt werden.

Cover der Zeitschrift KIR
Publikation Auf Beck-online erschienen

Äußerungsrecht im KI-Zeitalter

Eine Analyse der ersten deutschen Rechtsprechung zu automatisch generierten Inhalten nehmen Wolfgang Schulz und Moritz Wiechert in ihrem Artikel in der Zeitschrift "Künstliche Intelligenz und Recht" vor. Sie zeigen damit, vor welchen fundamentalen Herausforderungen das klassische Äußerungsrecht im KI-Zeitalter steht.

Cover der Publikation "Avoiding the News But Still Feeling Connected? The Role of News Use and Avoidance Practices in Different Public Connection Repertoires"
Publikation Frisch erschienen!

Nachrichten vermeiden, sich aber trotzdem verbunden fühlen?

Wie hängen unterschiedliche Formen der Nachrichtenvermeidung mit verschiedenen Arten individueller Öffentlichkeitsanbindung (Public Connection) zusammen? Der englischsprachige Artikel von Julia Behre, Lisa Merten und Uwe Hasebrink legt nahe, dass das Vermeiden von Nachrichten nicht zwangsläufig eine Abkehr vom öffentlichen Leben bedeutet.

Cover Bericht Herausforderungen und Chancen: Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI
Publikation Open Access erschienen!

Der deutsche ÖRR in Zeiten von Plattformen und KI

In ihrem Publikationsprojekt für die Friedrich-Ebert-Stiftung beschreibt Magdalena Stratmann, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) in Deutschland mit der Herausforderung umgeht, seinen gesetzlichen Auftrag unter stark veränderten Bedingungen des digitalen Informationsökosystems zu erfüllen.

Historische Aufnahme des HR-Funkhauses am Dornbusch aus den 50ern
Projekt Medienhistorisches Projekt

Die Geschichte des Hessischen Rundfunks in der Nachkriegszeit

Im Vorfeld des 80. Gründungsjubiläums des Hessischen Rundfunks (hr) arbeitet Hans-Ulrich Wagner die Entstehung des hr wissenschaftlich auf. Der Fokus richtet sich dabei speziell auf unternehmensgeschichtliche, personal- und programmpolitische Entscheidungen im Kontext der Nachkriegszeit.

Cover Organizational Research Methods Journal
Publikation Open Access erschienen!

Argument Mining für die Organisationsforschung

Wie begründen Organisationen Entscheidungen, bauen Legitimität auf und treten durch kommunikative Handlungen mit ihrem Umfeld in Beziehung? Der Artikel stellt das aspektbasierte Argument Mining (ABAM) als methodische Innovation zur Untersuchung dieser Fragen vor. Es kann Argumentationsmuster in großen Textkorpora identifizieren, etwa in der Twitter-Debatte über Kernenergie in Deutschland.

Cover der Zeitschrift für Geistiges Eigentum
Publikation Open Access erschienen!

Von Verhaltenskodizes und Standards zu sozio-technischen Ökosystemen

Im Rahmen des Digitalen Binnenmarkts der EU teilen sich staatliche Stellen und private Unternehmen zunehmend die Verantwortung für die Durchsetzung von Regeln. Das macht die Regulierung komplexer, weil viele Akteure miteinander verbunden sind und sich gegenseitig kontrollieren. In seinem Beitrag argumentiert Tobias Mast deshalb für ein erweitertes Verständnis von „Ko-Regulierung“, das dieses Zusammenspiel als Ganzes betrachtet.

Cover der Studie "Gesellschaftlicher Zusammenhalt" der Aktion Mensch
Publikation Open Access erschienen!

Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Teilhabeerfahrungen und Teilhabeerwartungen von Menschen mit Beeinträchtigung

Im Auftrag der Aktion Mensch haben Jan-Hinrik Schmidt und Milena Braun untersucht, wie Menschen mit Beeinträchtigung den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland bewerten. Die Studie ermöglicht den Vergleich mit der Gesamtbevölkerung und zeigt unter anderem, dass Menschen mit Beeinträchtigung weniger Zusammenhalt erleben, obwohl sie sich häufiger im politischen und ehrenamtlichen Bereich engagieren.

Cover des Arbeitspapiers
Publikation Zum Download

Reuters Institute Digital News Report 2026: Ergebnisse für Deutschland

Seit 2012 untersucht der Reuters Institute Digital News Survey jährlich über Repräsentativbefragungen in mittlerweile 48 Ländern generelle Trends und nationale Besonderheiten der Nachrichtennutzung. Das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut ist als Kooperationspartner verantwortlich für die deutsche Teilstudie, deren Ergebnisse für 2026 nun heruntergeladen werden können.

Publikation Frisch erschienen!

Eine Untersuchung der GPT-Darstellung journalistischer Kultur

Die Studie von Wiebke Loosen et al. untersucht, wie große Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT journalistische Wertesysteme widerspiegeln können. Dazu wurde das GPT-4o-Modell aufgefordert, auf Fragen aus der „Worlds of Journalism Study“ zu antworten, die die Wahrnehmung journalistischer Rollen, Erkenntnistheorien und ethische Grundsätze untersucht.

1 2 3 26

Seite 1 von 26

Newsletter

Infos über aktuelle Projekte, Veranstaltungen und Publikationen des Instituts.

Jetzt abonnieren