Schutz des epistemischen Vertrauens von Jugendlichen

Wie beeinflussen digitale Medien das Vertrauen junger Menschen in Informationen und ihre demokratische Teilhabe? Dies untersucht das DFG-geförderte Forschungsprojekt „SETA – Schutz des epistemischen Vertrauens von Jugendlichen: Konzeptionelle Ansätze und Policy-Optionen“. SETA steht für den englischen Projekttitel „Safeguarding Epistemic Trust in Adolescents“.

Vertrauen ist die stille Voraussetzung jeder Wissensgesellschaft: Niemand kann selbst prüfen, ob ein Medikament wirkt, eine Statistik stimmt oder ein Video echt ist – wir alle verlassen uns auf Wissen aus verlässlichen Quellen. Diese Fähigkeit, fremdem Wissen begründet zu vertrauen und zugleich Zweifelhaftes zu durchschauen, gerät bei jungen Menschen in Zeiten digitaler Falschinformationen unter Druck. Ein erheblicher Teil der Jugendlichen misstraut etablierten Medien und bezieht Nachrichten überwiegend über soziale Plattformen, wo sie regelmäßig falschen, irreführenden oder jedenfalls zweifelhaften Informationen begegnen. Studien zeigen, dass das epistemische Vertrauen von Heranwachsenden labil ist, und dass sowohl übermäßige Leichtgläubigkeit als auch pauschales Misstrauen die Anfälligkeit für Verschwörungserzählungen erhöhen.

Das interdisziplinäre SETA-Projekt wird zusammen mit dem Weizenbaum-Institut durchgeführt und ist Teil des DFG-Schwerpunktprogramms 2573 „Rethinking Disinformation (Re:DIS)“. Es untersucht, ob und wie der Staat verpflichtet ist, dieses epistemische Vertrauen von 13- bis 17-Jährigen gegen Erosionen zu schützen, ohne in Meinungs- und Informationsfreiheit einzugreifen. Der deutsche Jugendmedienschutz kennt bislang Schutz vor Angst, Trauma oder sozialethischer Desorientierung, nicht aber vor epistemischer Beeinträchtigung. Die Möglichkeiten, diese Lücke konzeptionell und rechtlich zu schließen, will SETA erforschen.

Das Projekt wird dazu eine rechtswissenschaftlich-normative Grundlegung staatlicher Schutzpflichten erarbeiten. Dafür werden das Grundgesetz, die Europäische Grundrechtecharta und die UN-Kinderrechtskonvention herangezogen. Die Grundlegung wird die etwaige Reichweite und Grenzen staatlicher Gewährleistung epistemischen Vertrauens bei Minderjährigen herleiten und konkretisieren. Im Rahmen einer qualitativen empirischen Studie mit Fokusgruppen wird erhoben, wie Jugendliche Vertrauen unter Desinformationsbedingungen auf- und abbauen. Auf Basis der Zusammenschau der Ergebnisse wird schließlich eine Governance-Analyse erstellt, die mögliche (Gegen-)Maßnahmen konsequent doppelt prüft, nämlich auf ihren Nutzen und auf ihre Missbrauchs- und Übergriffsrisiken in Bezug auf die Grundrechte der Minderjährigen und der übrigen Bürgerinnen und Bürger.

Parallel dazu diskutiert das Projekt die Befunde mit Politik, Zivilgesellschaft und Jugendlichen selbst. Voraussichtliche Ergebnisse sind ein tragfähiges Modell staatlicher Pflichten zur Gewährleistung epistemischen Vertrauens bei Jugendlichen, belastbare empirische Befunde zu deren epistemischen Vertrauensdynamiken und grundrechtskonforme, missbrauchsresistente Policy-Empfehlungen.

Foto von The Jopwell Collection auf Unsplash

Projektdetails

Überblick

Laufzeit Beginn: 2026; Laufzeit Ende: 2029

Programmbereich: PB 1 Gesellschaftliche Funktionen von Kommunikation und Medien

Forschungsgruppe: Aufwachsen in digitalen Medienumgebungen

Kooperationspartner

Kontakt

Prof. Dr. Judith Möller

Prof. Dr. Judith Möller

Wissenschaftliche Direktorin

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Warburgstraße 30 B
20354 Hamburg

Dr. Stephan Dreyer

Dr. Stephan Dreyer

Co-Leiter Forschungsgruppe Aufwachsen in digitalen Medienumgebungen

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Warburgstraße 30 B
20354 Hamburg

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