Lisa Merten ist Senior Researcher am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI), wo sie seit 2015 als Wissenschaftlerin tätig ist. Seit 2026 leitet sie die Forschungsgruppe MUSE (Media Use and Effects – Mediennutzung und ihre gesellschaftlichen Effekte). Zudem ist sie am Institut Beauftragte für die Nachwuchsförderung von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen (PhDs und Postdocs).
In ihrer Forschung untersucht Lisa, wie digitale Informationsnutzung mit Veränderungen politischer Meinungsbildungsprozesse zusammenhängt. In aktuellen Forschungsprojekten beschäftigt sie sich insbesondere mit affektiver und themenbezogener Polarisierung, Vertrauen in Medien sowie algorithmisch und KI-geprägten Informationsumgebungen. Methodisch arbeitet sie mit Mixed-Methods-Ansätzen und Methoden der Computational Social Science, darunter Webtracking, Datenspenden, automatisierte Analysen und qualitative Verfahren.
Als Principal Investigator und Projektkoordinatorin leitet Lisa das interdisziplinäre und internationale Computational-Social-Science-Projekt „Informationsumgebungen online und die Polarisierung politischer Meinungen (POLTRACK)”. Das Kooperationsprojekt von HBI, GESIS, der Universität Bremen und der Aalto University untersucht, wie sich individuelle Informationsumgebungen und politische Einstellungen im Zeitverlauf wechselseitig entwickeln. Hierzu werden Daten aus einem longitudinalen Webtracking und einer Panelbefragung mit automatisierten Analysen der von den Teilnehmenden tatsächlich genutzten Online-Inhalte verknüpft.
Darauf aufbauend leitet Lisa das deutsch-australische Kooperationsprojekt „Polarisierte Öffentlichkeiten? Ein Vergleich der Medienlandschaften in Deutschland und Australien” gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Digital Media Research Centre der Queensland University of Technology. Das Projekt entwickelt computergestützte Verfahren zur Identifikation potenziell polarisierender Merkmale der Nachrichtenberichterstattung und vergleicht die thematische und ideologische Positionierung von Nachrichtenangeboten in Deutschland und Australien. Durch die Verknüpfung dieser Inhaltsanalysen mit Befragungs- und Trackingdaten aus POLTRACK wird untersucht, wie die Nutzung potenziell polarisierender Berichterstattung mit Veränderungen politischer Einstellungen zusammenhängt.
Lisa forschte außerdem im DFG-Projekt „Public Connection” dazu, wie sich Menschen durch ihre Mediennutzung und andere kommunikative Praktiken an unterschiedliche Öffentlichkeiten anbinden. Als Co-PI des Teilprojekts „Mediennutzung und gesellschaftlicher Zusammenhalt” am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt untersuchte sie den Zusammenhang zwischen digitaler Mediennutzung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage, inwiefern politische Influencer*innen in sozialen Medien auch Menschen erreichen können, die dort ansonsten nur wenige informationsorientierte Angebote nutzen.
Lisa verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung, Leitung und Koordination interdisziplinärer und internationaler Drittmittelprojekte. Sie hat Computational Methods, digitale Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Hamburg, Bremen, Augsburg und Konstanz sowie an der Fachhochschule Kiel gelehrt.
Wissenschaftlicher Werdegang
Lisa promovierte 2022 an der Universität Hamburg im Fach Kommunikationswissenschaft mit summa cum laude. Ihre kumulative Dissertation untersuchte Praktiken der Nachrichten- und Informationsnutzung auf sozialen Netzwerkplattformen. Einer ihrer Dissertationsartikel, der auf Basis des Reuters Institute Digital News Survey Praktiken der persönlichen Nachrichtenkuratierung in sozialen Medien untersucht, wurde von Digital Journalism als Article of the Year 2021 ausgezeichnet.
Im Sommersemester 2021 vertrat Lisa in Teilzeit eine Juniorprofessur für Computational Social Science am Center for Data and Methods der Universität Konstanz.
Lisa studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität Leipzig und der TU Dresden und absolvierte Studienaufenthalte an der Universiteit van Amsterdam und der Boston University. Während ihres Studiums wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert und sammelte berufliche Erfahrungen in der Markt- und Medienforschung, unter anderem beim SINUS-Institut, der ZDF-Medienforschung, Gruner + Jahr und mindline sowie im Wahlkampf von Elizabeth Warren.